Schadensbegrenzung ist gut, Schadensvermeidung besser

Sind Notfälle, Krisen, Katastrophen in Unternehmen immer unvorhersehbar oder kann aktiv etwas zur Vermeidung derselben unternommen werden? Ist man akut mit der Bewältigung von eingetretenen Notfällen oder Krisen beschäftigt, bleibt meist wenig Zeit für eine Reflektion der möglichen Auslöser oder Ursachen. In der Regel kann aber davon ausgegangen werden, dass einer möglichen Verkettung von unglücklichen Umständen vor allem zahlreiche kleine Fehler oder Missgeschicke vorangegangen sind, die zu einem folgenschweren Ereignis führen können.

Was in welchem Ausmaß in einem Unternehmen als ein folgenschweres Ereignis angesehen wird, hängt – sofern es keine offensichtliche Krise oder Katastrophe ist – oftmals von der eigenen Wahrnehmung ab. Das kann z.B. vom Verlust eines wichtigen Kunden über schwerwiegende Qualitätsmängel bei Produkten bis hin zu einem Imageschaden bei der Zielkundengruppe reichen.

Die drei Autoren Tinsley, Dillon und Madsen geben im aktuellen Harvard Business Manager Hintergrundinformationen und zahlreiche Tipps wie Katastrophen von vornherein vermieden oder zumindest verringert werden können.

Es werden aus psychologischer Sicht insbesondere zwei Formen der Wahrnehmung dafür verantwortlich gemacht, warum die Vorboten für eine Krise oder Katastrophe oft nicht erkannt werden. Zum einen die „Normalisierung“ und zum anderen die „Befangenheit aufgrund eines positiven Ergebnisses“. Ersteres, die Normalisierung, bewirkt, dass Probleme oder Wehwehchen zwar erkannt aber als harmlos eingestuft werden, weil in der Vergangenheit keine negativen Auswirkungen stattfanden. Die Befangenheit im Gegenzug verleitet bei positiven Ergebnissen oder Zuständen dazu, gar nicht erst zu hinterfragen, ob dieses nicht auch zufällig und trotz erheblicher Probleme zustande kam.

Was kann dazu beigetragen werden um diese selektive Wahrnehmung auszutricksen und Krisen, Notfälle oder Katastrophen von vornherein zu vermeiden oder zu verringern?

  • Konstanten Leistungsdruck vermeiden und in Zeiten von hohem Druck Entscheidungen einmal mehr hinterfragen und prüfen, um Fehlentscheidungen vorzubeugen
  • Abweichungen von der Norm erkennen und bewerten, ob diese mit all ihren Konsequenzen tragbar sind oder gegengesteuert werden muss
  • Verantwortung von Führungskräften hinsichtlich ihrer Bewertung von Fehlern, Abweichungen oder Vorkommnissen einfordern, um einem Vertuschen oder Herunterspielen dieser vorzubeugen
  • Ereignisse und Entscheidungen unter Berücksichtigung unterschiedlicher Szenarien, vor allem bewusst im Hinblick auf ein mögliches „Worst case“ Szenario, zu bewerten
  • Kontinuierliche Überwachung von Projekten, um zum richtigen Zeitpunkt gegensteuern zu können und nicht erst beim Ergebnis vor vollendete Tatsachen gesetzt zu werden
  • Die Unternehmenskultur dahingehend zu überprüfen, ob Fehler tatsächlich zugelassen werden und positiv mit ihnen umgegangen wird, um keine Scheu beim Aufdecken oder Zugeben von Fehlern hervorzurufen

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