Innovation: Muss es immer etwas Neues sein?

Die Erfindung der Eisenbahn war 1802 ohne Zweifel eine Innovation, die die Welt verändern sollte. Die Dampfmaschine auf Räder zu stellen, war zugleich ein Novum dieser Zeit. Wenn wir heute an Innovationen denken, sehen wir immer noch die Eisenbahn vor uns.

Der lateinische Wortstamm, „novus“ = „neu“, suggeriert, dass Innovation mit etwas Neuem zu tun hat. Der italienische Wortstamm, „innovare“ = „erneuern, verändern zu“, lässt hingegen eine etwas weitere Interpretation zu.

Eine Veränderung zu etwas Anderem hin oder eine Erneuerung an sich mag für ein Unternehmen gänzlich Neues bedeuten. Bei anderen Organisationen ist ebendiese Veränderung vielleicht bereits alltäglich oder gehört schon wieder der Vergangenheit an. Dennoch kann genau diese „veraltete“ Veränderung für ein anderes Unternehmen je nach Zeitpunkt und Status der Unternehmensentwicklung sehr sinn- und wertvoll sein. „Gewusst wie“ entscheidet in der modernen Wirtschaftswelt, wie ein Artikel im Wirtschaftsmagazin brand eins von Juli 2014 eindrucksvoll an prominenten Unternehmen veranschaulicht.

So zum Beispiel haben heute Hersteller von Druckern und Spielekonsolen, der Nespresso-Erfinder Nestlé sowie Mobilfunknetzbetreiber eines gemeinsam: Alle verfolgen eine abgewandelte Form des „bait and hook“ Ansatzes. Was nach Angeln klingt, sind Veränderungen, die teilweise ganze Branchen verändern. Technologische Geräte werden subventioniert – und damit vergleichsweise günstig – an den Kunden verkauft, um später an der Nutzung des Gerätes und / oder dem notwendigen, zu kaufenden, Zubehör zu verdienen. Als eines der ersten Unternehmen hat Gillette bereits Anfang des 20. Jahrhunderts genau dies mit aller Konsequenz angefangen umzusetzen. Viele dürfen heute wie damals erfahren, wie teuer Rasierklingen im Vergleich zu dem eigentlichen Rasierer sind.

Weniger als um Produkt-, Prozess-, Markt-, Organisations- oder Sozialinnovationen geht es hierbei um Innovationen am Geschäftsmodell und vor allem darum, was von anderen Branchen oder Unternehmen für die eigene Geschäftstätigkeit gelernt oder übernommen werden kann. Es lohnt also durchaus, sich nicht nur mit den direkten Mitbewerbern zu vergleichen sondern den Blick über den Tellerrand zu wagen und mit etwas Kreativität und Freiraum erkannte Ideen, angepasst auf das eigene Unternehmen zu übertragen.

Für eine erfolgreiche Identifikation und Imitation oder Kombination von Mustern / Logiken anderer Branchen ist es möglich, sich durch folgende Fragen anzunähern:

  • Welche Branchen haben in Teilen ähnliche Charakteristika wie die der eigenen Geschäftstätigkeit? (Wettbewerbsstruktur, Eintrittsbarrieren, Kundenstruktur, technologische Herausforderungen, Trendeinwirkungen, etc.)
  • Welcher Teil oder welche Eigenschaften des Geschäftsmodells anderer Unternehmen sind besonders attraktiv, wertsteigernd oder auffallend anders?
  • Welche stillschweigenden Annahmen sind vielleicht nicht mehr korrekt und welche angelernten Verhaltensweisen sollten längst überprüft, verändert oder gar verlernt werden?

Fragen, die dabei ans eigene Geschäftsmodell gestellt werden können, sind:

  • Welchen Nutzen oder Wertbeitrag stiftet das Unternehmen seinen Kunden? Wie können die Bedürfnisse der (Ziel)Kunden besser befriedigt werden?
  • Welche Ressourcen und organisatorischen Voraussetzungen benötigt das Unternehmen, um eben diesen Nutzen erbringen zu können?
  • Wie erwirtschaftet das Unternehmen Geld? Welche Erlösformen sind (zukünftig) denkbar und welche Kostenstruktur ist passend?

Wir können sehen, der Innovationsbegriff kommt heute in anderen Gewändern daher oder versteckt sich hinter einstigen „Idealbildern“. Ihnen in jedem Fall viel Erfolg und Mut dabei, die eigenen Rahmenbedingungen zum Vorteil zu verändern oder besser im Rahmen des Vorhandenen zu agieren und zu wirtschaften!

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